Rauhnächte
Die Rauhnächte, Weihenächte oder Zwölften bezeichnen die zwölf Nächte, die auf die Wintersonnenwende folgen (in christlicher Interpretation die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, dem 6. Januar). Diese „Zeit zwischen den Jahren” ist eine besondere Zeit, in der die Grenze zwischen der Alltagswelt und dem Reich der Geister und Toten durchlässig ist, sie eignet sich besonders für den Blick in die Zukunft, es gelten aber auch besondere Verhaltensregeln, um nicht den Unwillen der Geister auf sich zu ziehen.
Das Wort Rauhnächte leitet sich von „Rauch”, der altdeutschen Bezeichnung für Tierfell, ab, was auf die Umzüge der fellbehängten Perchten in dieser Zeit verweist.
Die zwölf Nächte ergeben sich aus der Differenz des germanischen Sonnenjahres (365 Nächte) und des Mondjahres (12 Zyklen von etwa 29,5 Nächten). (Bei den Germanen begann ein Tag mit Anbruch der Nacht, daher erfolgt die Zählung in Nächten.) Die zwölf übrigbleibenden Nächte stehen für jeweils einen Mondzyklus, so dass sich aus Wetterbeobachtungen an einem der Tage Vorhersagen für den entsprechenden Monat ableiten lassen.
Meine Großmutter hat sich noch strikt an diesen Brauch gehalten, und peinlich genau vermerkt, wie das Wetter in den Zwölften war, und danach eine Vorhersage erstellt, wie das kommende Jahr in der Land- und Forstwirtschaft verlaufen wird.
Aber auch andere Orakel sind überliefert, so sollen Jungfrauen unter bestimmten Vorkehrungen ihren künftigen Bräutigam sehen können. Das Bleigießen an Silvester hat sich aus den Wahrsagepraktiken der Rauhnächte entwickelt.
In den Rauhnächten durfte nicht gearbeitet, vor allem nicht gewaschen werden. Denn in dieser Zeit war Wotan mit seiner Wilden Jagd, dem Heer der Toten, unterwegs und konnte wohl denjenigen mitnehmen, der sich nicht an diese Gebote hielt. Man hat geglaubt, daß die Reitersleut' der Wilden Jagd sich in der zum Trocknen aufgehängten Wäsche verfangen könnten. Man wollte alles vermeiden was Ihnen im Weg sein konnte, um ungeschoren davon zu kommen.
Bei allen Völkern die sich auf die indo-arische Tradition berufen, so beispielsweise in Persien und Kurdistan, wird der Jahresbeginn zur Frühjahrstagundnachtgleiche gefeiert. Wie auch die Rauhnächte der germanischen Tradition dauert das bereits von den Zoroastriern begangene Nouruz-Fest (Newroz) einige Tage, in denen nicht gearbeitet werden darf und zahlreiche Übergangsriten zelebriert werden.
Gedicht: „Wir rufen Deine Wölfe” von Friedrich Hielscher
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