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Europäische Stechpalme
Ilex aquifolium
Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae)
Volksnamen: Stechpalme, Hülse
Engl.: Holly; Franz.: Houx; Ital.: Agrifolio
Die Stechpalme oder Ilex wird in einigen Gegenden auch als Hülse oder Hulstbaum bezeichnet, abgeleitet von der germanischen Bezeichnung Hulis, die soviel wie „Dunkel” oder „Wald” bedeutet (vgl. auch engl. Holly). Den wissenschaftlichen Namen erhielt der Strauch durch die Römer. Die Artbezeichnung „aquifolium” weist auf die stacheligen Blätter (acus = Nadel, folium = Blatt) hin.
Austrieb und weibliche Blüte
Es handelt sich um einen immergrünen Strauch oder Baum, der Strauch wird bis zu einem Meter hoch, die Baumform kann 10-15 Meter Höhe erreichen und wird bis zu 300 Jahre alt.
Die glänzend dunkelgrünen Blätter sind ledrig, der Rand ist gezackt. Je nach Höhe variiert die Form, in geringer Höhe sind die Blätter stark gezackt, weiter oben kaum. Die Stechpalme neigt zu spontanen Mutationen. Es gibt daher eine große Auswahl an Kulturformen mit den unterschiedlichsten Blattformen und -farben.
Stechpalmen sind zweihäusig. Im Mai bis Juni blühen sie weiß, im Oktober reifen an den weiblichen Pflanzen leuchtend roten Steinfrüchte, die ebenso wie andere Pflanzenteile giftig sind. Die Früchte sind - nach mehrmaligem Frost - ein wichtiges Winterfutter für Vögel.
Die Früchte wurden früher gegen Verstopfung und Epilepsie verwendet. 20-30 Beeren können jedoch für einen Erwachsenen bereits tödlich sein. Die gerösteten Samen dienten als Kaffee-Ersatz. In ihnen sind nach neuen Untersuchungen Antioxidantien enthalten, wie Theobromin, welches auch im Kakao vorkommt. Weiterhin entalten die Blätter Bitterstoffe, den gelben Farbstoff Ilixanthin und Ilexsäure. Wahrscheinlich kannten bereits die Heiler der Antike die Stechpalme als Arzneipflanze und verordneten Extrakte aus den Blättern bei Gallenleiden und Verdauungsbeschwerden. In der Neuen Welt brauten die Apalachen Nordamerikas aus Ilex den „black drink”, durch dessen berauschende Wirkung sie Mut für den Kriegspfad gewannen. Ein Tee aus Blättern und Rinde wirkt stark fiebersenkend.
Die Stechpalme gedeiht in atlantischem Klima, braucht milde Winter und feuchte Sommer, und ist daher besonders in England, Norddeutschland, Westfalen und im Rheinland verbreitet. Mit fortschreitendem Klimawandel breitet sie sich auch in andere Gegenden aus. Trotz dieser Tendenz gilt die Pflanze als bedrohte Art und steht unter Naturschutz. Bedroht ist sie nicht zuletzt aufgrund ihrer Beliebtheit als Dekoration.
In früheren Zeiten war die Stechpalme in den schattigen Buchen- und Eichenwäldern im Norden und Westen Deutschlands stark verbreitet.
Den Germanen und Kelten war die Stechpalme, wie auch andere immergrüne Pflanzen wie etwa die Eibe oder die Mistel, heilig. Nach altem germanischem Brauch schmückte man das Haus zur Winterzeit mit immergrünen Pflanzen, Sinnbildern des Lebens. Man beschenkte sich und die Götter, bat um Fülle und Glück im Neuen Jahr. Mit der christlichen Religion wurde aus diesem Brauch das Weihnachtsfest - verdrängte die Kirche mit ihrem Menschengott die Naturgötter.
Man schmückte die Gebäude mit Ilexzweigen, um guten Waldgeistern Unterschlupf und Schutz vor der Kälte gewähren. Gleichzeitig sollten die stacheligen Zweige böse Geister abzuwehren, die besonders zur Zeit der Wintersonnwende ihr Unwesen trieben. Ganz praktisch bildeten Stechpalmen damals im Wald undurchdringliche Dickichte, in denen man sich in Zeiten der Gefahr verbergen konnte.
Als beliebter Weihnachtsschmuck hat sich der Ilex bis heute vor allem im angelsächsischen Raum erhalten. Die kultische Bedeutung der Pflanze zeigt sich beispielsweise auch an Heiligtümern wie der Tobernalt Quelle in Irland. Heute ein christlicher Wallfahrtsort, kündet hier der "Rag Tree", ein Ilex-Busch, noch von den Gebräuchen der vorchristlichen Zeit. Besucher knüpfen kleine persönliche Besitztümer - wie etwa Haarbänder, Ketten, aber auch Sonnenbrillen und Kugelschreiber in die Zweige, verbunden mit Wünschen oder abzuladenden Sorgen.
In christlichen Zeiten wurde die Stechpalme neben anderen Pflanzen als Palmersatz verwendet, um am Palmsonntag des Einzugs Jesu in Jerusalem zu gedenken. Daher der deutsche Name. In den gezackten Blättern und roten Beeren sah man auch die Dornenkrone und die Blutstropfen Jesu.
Letzte Änderung: 28.12.2011