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Ackergauchheil
Primelgewächse (Primulaceae)
Anagallis arvensis
Volksnamen: Nebelpflanze, Wetterkraut, Rote Miere, Vernunftskraut, Hühnertritt
Engl.: Scarlet pimpernel; Franz.: Mouron rouge; Ital.: Centonchio dei campi Bellichina
Die aus den Blattachseln kommenden, korallenroten, selten blauen fünfzähligen Blüten des Ackergauchheils zeigen sich von Mai bis Oktober. Sie sind nur von 7-14 Uhr geöffnet und schließen sich bei aufziehendem Unwetter. Ihre hellgrünen rundlichen Blätter sitzen an bis zu 45 cm langen Stengeln.
Die niedliche Ackerpflanze ist einjährig, hat teils liegende, teils aufgerichtete Stengel mit mehreren Verästelungen. Sie wird ca. 30 cm hoch. Die einförmigen Blättchen sitzen ungestielt einander gegenüber. Sie kommt auf Äckern, in Gärten, Weinbergen sowie auf Schuttplätzen vor. Die Anspruchslosigkeit gegenüber dem Boden, und ihre schnelle Verbreitung verhalf ihr zum zweifelhaften Ruf, als des eines schwer auszurottenden „Unkrauts“. Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem Mittelmeergebiet. Sie ist ein Archäophyt, d.h. sie wurde vor 1500 durch direkten oder indirekten menschlichen Einfluß in unsere Breiten eingeführt und hat sich selbstständig fortgepflanzt.
Der botanische Name stammt von gr. „ana“ (wieder) und „agallein“ (schmücken) und weist darauf hin, daß Arten dieser Gattung in einem Jahr zwei blühende Generationen hervorbringen.
Stengel Anfang Juni
Der deutsche Name bezieht sich darauf, daß der Ackergauchheil früher zur Behandlung von Geisteskrankheiten und Melancholie genutzt wurde. Das mittelalterliche Wort „Gauch“ bezeichnet den Kuckuck, aber auch Narren, Geisteskranke.
Bauern benutzten den Ackergauchheil früher zur Vorhersage des Wetters, da der Acker-Gauchheil schon frühzeitig die Blüten schließt, wenn eine Wetterverschlechterung bevorsteht. Daher kommen auch die deutschen Namen Nebelpflanze und Wetterkraut.
Der Ackergauchheil wird in der Schulmedizin nicht verwendet, findet jedoch Anwendung in homöopathischen Erzeugnissen sowie in der Volksmedizin gegen Nervenleiden, Ausschläge, Geschwüre u.a.
Der Ackergauchheil enthält eine pilzhemmende Substanz, durch Saponine ist er jedoch schwach giftig in all seinen Teilen, vor allem in der Wurzel. Er kann starke Harnausscheidung und Durchfall hervorrufen und auch das Nervensystem beeinflussen. Nordamerikanische Ureinwohner bestrichen die Spitze ihrer Pfeile mit dem Pflanzensaft, und nutzten ihn somit als Pfeilgift. Beim Berühren ist Vorsicht anzuraten, da allergische Hautrötungen verursacht werden können.
Die Pflanze ist für Geflügel und Kaninchen giftig. Bei Hühnern wirken die Samen so toxisch, daß sie Verdauungsstörungen hervorrufen, daher der Name: Hühnertritt. Das Kraut ist weniger gefährlich.
Letzte Änderung: 28.12.2011